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Elsdorfer Stolpersteine - Gegen das Vergessen

40 Stolpersteine sind in Elsdorf zu finden. Sie zeugen von 40 Schicksalen, 40 Geschichten, 40 Elsdorferinnen und Elsdorfern, die plötzlich in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr sicher waren und geächtet, verraten und verfolgt wurden. Die Stolpersteine sind eine sichtbare Erinnerung an diese Menschen, ihr Schicksal, ihre Geschichte und eine eindringliche Mahnung zugleich - gegen das Vergessen! 

Möglich gemacht hat das Josi Schlang, die über Jahre akribisch recherchiert und nachgeforscht hat. Persönliche Kontakte zu Überlebenden des Holocaust ermöglichten ihr tiefe Einblicke in die Familiengeschichte manch jüdischer Familie aus Elsdorf. Mit Hilfe dieser Informationen gibt sie diesen Menschen wieder eine Stimme. Wir danken Frau Schlang, dass sie ihr Wissen über die Geschichten der Juden in Elsdorf mit uns teilt. Darüber hinaus danken wir allen Spenderinnen und Spendern, die es ermöglicht haben, dass im Dezember 2023 20 neue Stolpersteine in Elsdorf verlegt werden konnten.

Hier finden Sie eine Broschüre als PDF zum Download. (PDF-Datei) Gerne können Sie auch die einzelnen Felder untenstehend aufklappen.

Synagogengedenktafel

Wir beginnen unseren Spaziergang an der Gedenktafel der Synagoge an der Köln-Aachener Straße. Es existiert lediglich eine Fotografie vom Inneren der Synagoge, die während der Reichspogromnacht  am 9. November 1938 geplündert und in den Jahren danach zerstört wurde.

Erna Zinn geb. Hirsch *1889, + Mai 1942 im Vernichtungslager Kulmhof ermordet

Ich lebte mit meinen Kindern Ruth und Gustav in Elsdorf auf der heutigen Köln-Aachener-Straße und betrieb ein Putzmachergeschäft. Mein Laden war 20 qm groß und hatte zwei kleine Schaufenster von etwa 1,20 m Breite. Später wurde daraus ein einziges Schaufenster von 2,40 m Breite gemacht. Dort entwarf ich Damenhüte und modernisierte auch ältere Modelle. Mit dem Boykott der jüdischen Geschäfte am 1. April 1933 begann der geschäftliche Untergang. Ende 1938 – nach der Reichspogromnacht – wurden alle jüdischen Geschäfte in Elsdorf geschlossen. Mein Geschäft auf der Hauptstraße 49 hatte ich da schon aufgegeben, wir waren in ein kleines Haus neben die Synagoge  gezogen; mit Putz- und Aufräumarbeiten sowie Almosen hielten wir uns dort über Wasser. Die Synagoge ging gleich nach der Reichspogromnacht in den Besitz der Gemeinde über. Bereits Ende November wurde der Schulleiter der Volksschule vom Bürgermeister aufgefordert, seinen Schülern zu verbieten, Steine auf die Synagogenfenster zu werfen, diese sei ja nunmehr im Besitz der Gemeinde (Schulchronik 1938). Große Hoffnung setzten wir auf meinen Vater Gustav Hirsch, meinen Bruder Max Hirsch und seine Frau Jeanette, die Anfang 1938 in die USA geflüchtet waren. Die Hoffnung auf meine Tochter Ruth, die 1939 nach England flüchten konnte, zerschlug sich ebenfalls. Sie konnte uns so schnell nicht nachholen, da am 01.09.1939 mit Hitlers Überfall auf Polen auch England und Frankreich ihre Grenzen schlossen. Sie alle konnten uns nicht mehr helfen. Von Köln aus wurde ich am 30.10.1941 ins Ghetto Lodz (von den Deutschen 1939 in  Litzmannstadt umbenannt) deportiert. Ich kam am 03.05.1942 in das Vernichtungslager Kulmhof (ca. 70 km von Lodz entfernt) und wurde dort im Mai 1942 umgebracht. Wir wurden in Autos gesperrt und mit den Abgasen vergiftet.

Gustav Zinn *1920 - konnte fliehen

Ich war 1941, dem Jahr unserer Deportation, 21 Jahre alt. Nach dem Besuch der Volksschule habe ich eine Metzgerlehre gemacht, was mir später vermutlich das Leben gerettet hat. Unsere Hoffnungen auf Großvater und Onkel in den USA zerschlugen sich nach und nach, auch meine Schwester Ruth in England konnte uns nicht nachholen. So kam es am 06.12.1941 zur Deportation nach Litzmannstadt (Lodz). Meine Mutter ist ins Ghetto Lodz gebracht worden, ich kam sehr bald von Lodz aus nach Auschwitz. Als Metzgergeselle wurde ich dort der Küche für die „AUFSEHER“ zugeteilt. Einer dieser SA-Männer hatte sehr schnell herausgefunden, dass ich gut mit Fleisch umgehen konnte und so sollte ich für ihn allein die besten Fleischstücke zubereiten. Er hat mich – wahrscheinlich deshalb –„verschont“. Am 27.01.1945 befreite die Rote Armee Auschwitz, ich war damals schon drei Jahre dort. Vorher wurden wir – die noch lebenden Häftlinge – bei eisiger Kälte auf einen Todesmarsch geschickt. Viele starben unterwegs; die nicht mehr konnten, wurden erschossen. Bei einem dieser Tumulte bogen ein Mithäftling und ich in einen Bauernhof ab und blieben unentdeckt von den SA-Männern. Auch der Bauer hat uns nicht verraten. In einem Münchener Krankenhaus wurde ich – völlig unterernährt – monatelang behandelt. Später heiratete ich meine Frau, die auch meine Krankenschwester gewesen war, und zog nach Südafrika. Ich konnte nicht in Deutschland bleiben. Meine Schwester Ruth und die übrige Familie in Amerika habe ich nie mehr getroffen.

Ruth Zinn verh. Keene *1919 - konnte fliehen

Bei der Machtergreifung 1933 war ich 14 Jahre alt und kam zu einem jüdischen Kölner Zahnarzt in die Lehre, was ein großes Glück war. Die Repressalien gegen Juden nahmen ständig zu, so wurde ich – 17-jährig – im Elsdorfer Postamt  angespuckt und beschimpft. Der Kontakt zu meinen Freundinnen und Klassenkameraden ließ mehr und mehr nach. Beim Tanzen wurde ich nicht mehr aufgefordert. Die Anfänge der Reichspogromnacht erlebte ich zuerst in Köln (auf dem Weg von meiner Arbeitsstelle zum Bahnhof) und dann ging es gegen 22 Uhr in Elsdorf los. Mein Chef drängte mich danach mehr und mehr, Deutschland zu verlassen. Er schenkte mir das Geld für die Überfahrt und so kam ich 1939 nach England – in der Hoffnung,Mutter und Bruder nachholen zu können. Was würde mich in diesem fremden Land erwarten, dessen Sprache ich nicht konnte? Zwei ältere, alleinstehende Damen nahmen mich von Dover aus mit zu sich nach Hause und nahmen mich auf, als sei ich ihre eigene Tochter. Dennoch: Eine furchtbare Warterei – ständig zwischen Hoffen und Bangen – begann, zumal England ja am 01.09.1939 mit dem Überfall Hitlers auf Polen die Grenzen schloss.
Ich habe beide – meine Mutter und Gustav, meinen Bruder – nie wiedergesehen. Mit meinem englischen Mann wanderte ich nach dem Krieg in die USA aus, ich wollte unbedingt meinen Großvater sowie Onkel Max und seine Frau Jeanette wiedersehen. Ich wollte wieder eine Familie haben. Als ich Opa in den USA wiedertraf, sprach er kein Wort Englisch, er war bei seiner Flucht aus Deutschland 1938 schon 75 Jahre alt und bei unserem Wiedersehen weit über 80. Er hatte die englische Sprache nicht mehr erlernt und ich konnte kein Wort Deutsch mehr. Ich hatte mir in England geschworen, nie mehr ein Wort Deutsch zu sprechen. Mit Deutschland wollte ich nichts mehr zu tun haben. Zusatz: Ruth hat im Jahr 1984 die Klasse 10 der GHS Elsdorf besucht und danach ihre Lebensgeschichte für die Schüler aufgeschrieben. Wer diese lesen möchte, kann das hier tun. (PDF-Datei)

Irma Schütt geb. Harf *15.02.1901, + 08.01.1945 im KZ Lager Stutthoff

Irma Schütt, geb. Harf *15.02.1901 wohnte in Elsdorf, Gladbacher Str. 83. Sie war verheiratet mir Robert Schütt, einem Nationalsozialisten, der seine Familie verleugnete. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn namens Bert. Die Ehe wurde für nichtig erklärt. Sie verzog im Juni 1937 nach Köln. Am 10.12.1941 wurde sie nach Riga deportiert und verstarb am 08.01.1945 im KZ Lager Stutthoff.

Amalie Harf, geb. Leiser *01.05.1876 und Adolf Harf *21.07.1874, + Mai 1942 in Kulmhof

Irmas Eltern, Amalie Harf, geb. Leiser *01.05.1876 und Adolf Harf *21.07.1874, lebten in Elsdorf, Ecke Köln-Aachener Str./ Gladbacher Str.und betrieben dort ein Optikergeschäft. Im November 1937 wurde das Haus der „Juden“ wegen immer stärker werdender Anfeindungen verkauft. Am 21.10.1941 wurden Adolf und Amalie Harf nach Lodz deportiert und im Mai 1942 in Kulmhof ermordet.

Minchen Leiser *18.08.1877 in Elsdorf +15.05.1944 in Ausschwitz ermordet

Ich wohnte 1933 in einem kleinen Haus an der Mittelstraße und betrieb ein Geschäft für Stifte, Hefte, Schreibzubehör usw. Damit kam ich mehr schlecht als recht über die Runden. Mit anderen Elsdorfer Juden wurde ich am 15.06.1942 abgeholt, nach Köln  ebracht und von dort nach  Theresienstadt deportiert. Am 15.05.1944 wurde ich, fast 67 Jahre alt, in Auschwitz ermordet. In mein Haus wies die Gemeinde Elsdorf eine  Familie mit vier Kindern ein. Das Foto zeigt mein Haus in den 40er Jahren.

Bernhard Baum *1886, + verschollen

Ich lebte mit meiner Frau Rosa in Elsdorf auf der Hindenburgstraße (heute Mittelstraße 12) und war Textilkaufmann. 1936 wurde unser Sohn Hermann geboren. Immer wieder ermahnte mich eine liebe Kundin aus Esch, nach Amerika
auszuwandern, aber ich konnte einfach meine Heimat nicht verlassen. Die Wannseekonferenz, die im Januar 1942 in Berlin stattfand, hatte für uns – wie auch für die noch anderen in Elsdorf lebenden Juden – schreckliche Auswirkungen. Wir alle mussten sehr bald unsere Häuser verlassen und wurden in Berrendorf in einem Haus zusammengepfercht und ständig polizeilich überwacht. Hermann war noch keine sechs Jahre alt. Manchmal kamen Nachbarn aus Elsdorf übers Feld und warfen uns im Schutz der Dunkelheit ein Brot durch das Fenster. Zum Glück drückte der Polizist, der uns bewachen musste, dann ein Auge zu. Am Pfingstmontag, es war der 15. Juni 1942, brachte uns ein Pferdekarren nach
Elsdorf auf die Ecke Hindenburgstraße/Adolf-Hitler-Straße (Mittelstraße/Gladbacher Straße) zum Denkmal. Die Elsdorfer, die zur Sechs-Uhr-Frühmesse gingen, senkten ihre Köpfe und trauten sich nicht, zu uns herüberzuschauen. Wir wurden über Köln deportiert. Dort verliert sich unsere Spur.

Rosa Baum geb. Alexander *1889, + verschollen

Als ganz furchtbar haben wir die Reichspogromnacht am 09. November 1938 erlebt. Unser kleiner Sohn war zweieinhalb Jahre alt. Es heißt, dass in unserem Haus die meisten Verwüstungen angerichtet wurden. Nazis drangen in unser Haus ein, zerschlugen unsere Herdplatte und warfen unseren Vorratsschrank auf die Straße. Ich hatte noch lange den Schrei meines Mannes im Ohr: „Das, was ihr hier zerstört, das werdet ihr noch suchen!“ Als ich den Trupp kommen hörte, es wurden antijüdische Parolen gebrüllt, habe ich unseren kleinen Sohn voller Angst aus dem Bettchen genommen und bin mit ihm in den dunklen Garten gerannt. Dort haben wir uns zwischen Kohlköpfen auf die feuchte und kalte Erde  gelegt, zum Glück hat Hermann nicht geweint und man hat uns nicht gefunden. Da unser Herd kaputt war, hat mein Mann am nächsten Tag beim Schneider Weil etwas zu essen geholt. (Herr Weil musste weiter für die Nazis schneidern, deshalb lief bei ihm alles glimpflicher ab.) Einer aus dem Schlägertrupp – so hörten wir später – ist davongelaufen, er hat zu seiner Frau gesagt: „Ich konnte es nicht, ich konnte es nicht, die Leute haben mir so leidgetan.“ Am nächsten Tag war dieser Mann verschwunden. Seine Frau und seine beiden Kinder haben nie mehr etwas von ihm gehört. Auch meine Spur verliert sich im Osten. Nachsatz: Den Schrei von Herrn Baum hörte damals auch ein 17-jähriger Elsdorfer Junge, der aus Neugier dem Schlägertrupp am 9. November in sicherem Abstand gefolgt war. Herr Virnich erzählte uns 1983: „Als ich vor Stalingrad in Schnee und Eis lag und hungerte, sind mir diese Worte von Herrn Baum wieder in den Kopf gekommen.“

Hermann Baum *1936, + verschollen

Ich bin erst 1936 geboren, da war Hitler schon drei Jahre an der Macht. 1938, am 09. November, hat meine Mutter mich abends plötzlich aus dem Bettchen gerissen, in unserem Haus wurde gebrüllt und geschrien. Während die Nazis mit Äxten und Beilen durch unser Haus liefen, rannte Mama mit mir in den Garten. Ich konnte das alles überhaupt nicht verstehen. Warum sollte ich in Dunkelheit und Kälte auf der nassen Erde liegen? Warum hatte Mama so große Angst? Warum hörte ich Papa schreien? Am 15.6.1942 wurde ich über Köln deportiert, dort verliert sich auch meine Spur. Warum? Ich war sechs Jahre alt!

Michael Hausmann *10.10.1861 in Elsdorf – konnte fliehen +in Zwolle, NL

Ich war Kaufmann und lebte zur Zeit der Machtergreifung alleine auf der Adolf-Hitler-Straße 80 - heute Gladbacher Straße 41. Meine Frau Sofie
war bereits gestorben, Kinder hatten wir keine. Mit den beginnenden Unruhen zog mein unverheirateter Bruder Sigismund zu mir. Die Familie
unseres verstorbenen Bruders Gottschalk nahm uns bereits 1936 mit nach Amsterdam, wo wir aber nicht bleiben wollten. Erst nach der Reichspogromnacht sind Sigismund und ich erneut geflüchtet und fanden in Zwolle am Ijsselmeer eine Unterkunft. Dort starb ich kurz vor der Deportation. Ich bin auf dem jüdischen Friedhof in Zwolle beerdigt.

Sigismund Hausmann *15.03.1868 in Elsdorf +1942 in Theresienstadt umgebracht

Mit meinen Brüdern Gottschalk und Michael betrieb ich in Elsdorf einen Getreidegroßhandel. Meine Wohnung war gleich bei den Lagerräumen  der Firma auf der Gladbacher Straße. Als sich nach der Machtergreifung die Unruhen mehrten, zog ich zu meinem verwitweten Bruder Michael. Die Familie unseres verstorbenen Bruders Gottschalk nahm uns 1936 mit nach Amsterdam. Wir dachten überhaupt nicht an Flucht und kehrten gegen den Willen der Familie nach Elsdorf zurück. Erst nach der Reichspogromnacht flüchteten wir nach Zwolle / Niederlande. Von dort aus wurde ich nach Theresienstadt deportiert und starb 1942.

Else Hausmann geb. Stein *30.01.1886 in Beckum /Westf. – konnte fliehen

Ich lebte mit meinen Kindern Kurt, Gerda und Ruth auf der Mittelstraße 29/31 in Elsdorf. Als Hitler an die Macht kam, war mein Mann schon verstorben. Am 12.10 1936 sind wir nach Amsterdam geflüchtet zusammen mit den beiden Brüdern meines Mannes: Michael und Sigismund.
Während diese beiden Männer nach wenigen Tagen nach Elsdorf zurückkehrten, blieben wir. Ruth, mein jüngstes Kind schickte ich sofort nach
England zu Freunden, ihr wurde in Deutschland das Medizinstudium verweigert. Meine Tochter Gerda war unheilbar an Tuberkulose erkrankt und starb 1942 - kurz vor der Deportation. Mein Sohn Kurt und ich lebten seit 1942 (wir waren schon zur Deportation aufgerufen) bis zum  Kriegsende in verschiedenen Verstecken und wussten nichts voneinander.

Kurt Hausmann *23.03.1902 in Elsdorf konnte fliehen

1933 - als Hitler an die Macht kam - war ich 31 Jahre alt und schon ein gestandener Kaufmann. Unsere Firma hatte eine Reihe  Geschäftsbeziehungen ins Ausland, besonders in die Niederlande. Dorthin schickten wir zunehmend und unauffällig Pakete mit Hausrat- aber in kleiner Menge, damit unser nichtjüdisches Personal nichts von unseren Fluchtplänen mitbekam und nicht gefährdet wurde. 1942 wurden meine Mutter und ich zur Deportation aufgerufen. Von dieser Zeit an mussten wir bis Kriegsende getrennt voneinander in einem Versteck leben.

Gerda Hausmann *in Elsdorf +1942 auf der Flucht

Als wir 1936 nach Amsterdam flüchteten, musste ich meinen Verlobten Albert Schlang aus Elsdorf-Esch zurücklassen. Er wollte mit uns nach Amsterdam gehen, aber meine Mutter lehnte das ab. Ich war schwer an Tuberkulose erkrankt und meine Mutter hatte schon mit uns, ihren  eigenen Kindern genug zu tun. So schickte sie meine Schwester Ruth umgehend nach England zu Freunden. Ich lag schon im Sterben als 1942 der Aufruf zur Deportation für uns kam. Beerdigt bin ich auf dem jüdischen Friedhof in Diemen bei Amsterdam.

Ruth Hausmann, verh. Heymann *17.04.1915 in Elsdorf – konnte fliehen +2014 in Amsterdam

Ich war das jüngste Kind der Familie Gottschalk Hausmann, mit meiner Freundin, einer Försterstochter verlebte, ich eine schöne Kindheit.  Gemeinsam besuchten wir ein Dürener Gymnasium. Nach dem Abitur - inzwischen war Hitler an die Macht gekommen - wurde mir das Medizinstudium verwehrt. 1936 flüchtete meine Familie nach Amsterdam. Für mich ging es gleich weiter nach England zu Freunden der 
Familie. Dort erfuhr ich über Zeitung und Radio von der Reichspogromnacht in Deutschland. Von 1942 bis zum Kriegsende erfuhr ich nichts mehr von meiner Familie. Erst danach haben wir uns wiedergetroffen. 2014 bin ich in Amsterdam gestorben.

Max Danziger *1897

Ich war in Elsdorf das, was man einen „armen Teufel“ nennt. Ich hatte keine Eltern und Verwandten mehr, die ihre Hände über mich halten konnten. Meine Mutter Sofia Danziger geb. Hirsch war bereits 1927 gestorben. Als sehr guter Fußballer war ich weit über Elsdorf hinaus bekannt, aber das zählte bald nicht mehr. Meine Arbeitsstelle als Schlosser bei der Zuckerfabrik hatte ich verloren. Auch meine Cousine Erna Zinn geb. Hirsch konnte mich mit ihren beiden Kindern Ruth und Gustav nicht unterstützen, sie kamen selbst kaum über die Runden. Zum Glück hat sich die jüdische Familie Witwe Else Hausmann um mich gekümmert. Ich wurde dort als Chauffeur angestellt. (Else Hausmann war die Witwe von Gottschalk Hausmann und die Mutter von Kurt, Gerda und Ruth.) Frau Hausmann nahm mich in ihr Haus auf und kümmerte sich noch vor ihrer eigenen Flucht 1936 um meine Auswanderung nach Australien. Sie hat mir das Geld geschenkt und so das Leben gerettet. 1939 (wahrscheinlich früher) habe ich Elsdorf für immer verlassen. Zusatz: Im Haus der Familie Hausmann begegnete mir auch häufiger Dr. Albert Schlang, ein Jurist aus Esch, der eng mit Gerda Hausmann befreundet war. Gerda starb 1942 in Amsterdam an Tuberkulose. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon mit Mutter und Bruder Kurt zur Deportation aufgerufen. In den 60er Jahren habe ich von Melbourne aus Dr. Albert Schlang und seine Familie in Bad Godesberg besucht. In Australien habe ich als Verkäufer gearbeitet. In einem Schreiben an die Staatspolizeistelle Köln schreibt die Ortspolizeibehörde Elsdorf am 23.10.1936: „Auffallend ist ferner, dass der ebenfalls im Haushalt Else Hausmann lebende Jude Max Danziger am 19. ds. Mts. hier einen Reisepass zum Zwecke der Auswanderung nach Südamerika beantragt hat. Von der Ausreiseabsicht des Juden Max Danziger habe ich die zuständigen Stellen (Geheime Staatspolizei) benachrichtigt.“

Rosa Finkelberg geb. Rosen *01.06.1871 in Breczin +18.12.1943 in Auschwitz ermordet

Mein Mann und ich sind beide in Breczin /Peterkow (Peterkau) geboren, das ursprünglich zu Westpreussen, heute Polen, gehörte. Die Elsdorfer 
nannten uns deshalb auch Ostjuden. Mit unserem Sohn Isak lebten wir auf der Mittelstr. 33 in einem kleinen Haus, mein Mann war Uhrmacher, er starb schon 1935. Am 17.11.1937 zogen wir nach Köln, 1942 wurde ich nach Theresienstadt deportiert und am 18.12.1943 in Ausschwitz ermordet.

Isak Finkelberg *29.08.1908 in Köln konnte nach Belgien fliehen

Mit meinen Eltern lebte ich in Elsdorf auf der Mittelstraße und war von Beruf Kaufmann. 1934, ein Jahr vor dem Tod meines Vaters- bin ich nach Belgien verzogen, am 12.06.1947 lebte ich in Antwerpen.

Michael Hausmann *12.11.1864 in Elsdorf- Berrendorf +5.12.1942 in Theresienstadt umgebracht

Ich lebte als kleiner Händler mit meiner Familie in Elsdorf auf dem Driesch 12. 1938, nach der Reichspogromnacht, sind wir nach Köln verzogen. Nur unser Sohn Ernst ist mit seiner Flucht in die USA dem Tod im Konzentrationslager entkommen. Ich starb am 5.12.1942 in Theresienstadt
im Alter von 78 Jahren.

Lena Hausmann geb. Schmitz – +verschollen

Am 9. November 1938 lag ich krank zu Bett. Die marodierenden Truppen verschonten zunächst unser Haus, wir dachten aus Mitleid mit mir.  Später kehrten sie zurück und verwüsteten unser Haus. Wir verzogen 1938 nach Köln. In Theresienstadt verliert sich meine Spur, ich gelte als
verschollen.

Ernst Hausmann *24.07.1902 in Elsdorf, Auf dem Driesch 12 – konnte fliehen +1982

Ich war der einzige aus meiner Familie, der an einem Dürener Gymnasium Abitur gemacht hat. Ich habe den Beruf des Kaufmanns erlernt. Am späten Abend des 9. November 1938 bin ich zu unserer Synagoge gegangen. Diese hatte man nicht angezündet, weil kleine Wohnhäuser in  unmittelbarer Nähe standen. Die gesamte Einrichtung war auf den Vorplatz geworfen worden: Thorarollen, Lesepult, Kerzenleuchter, Bänke usw. Ich habe das Schofarhorn aufgehoben und auf meine Flucht nach Amerika mitgenommen, dort hat meine Frau Manya es nach meinem Tod 1982 einer amerikanischen Synagoge überlassen. Ebenfalls mitgenommen habe ich ein Foto vom Inneren der Synagoge.

Betty Stern geb. Hausmann *29.07.1904 in Elsdorf, Auf dem Driesch 12 +verschollen in Ausschwitz

Meine Eltern und meine eigene kleine Familie sind nach der Reichspogromnacht nach Köln umgezogen. Ich gelte als verschollen in Auschwitz wie  auch mein Mann Hugo und mein Sohn Helmut.

Hugo Stern *21.03. 1893 +verschollen in Ausschwitz

Ich lebte mit meiner Frau Betty und unserem kleinen Sohn Helmut in Elsdorf, auf dem Driesch 12 bei den Schwiegereltern und bei meinem  Schwager Ernst. Während Ernst nach Amerika flüchten konnte und vergeblich versuchte uns nachzuholen, wurden wir nach Auschwitz verbracht und sind dort verschollen.

Helmut Stern *05.08.1930 in Elsdorf +verschollen in Ausschwitz

Als Hitler an die Macht kam war ich noch keine drei Jahre alt. 1938 - mit 8 Jahren - erlebte ich die Reichspogromnacht und den Überfall auf  unser Haus. Auf die Erkrankung meiner Großmutter wurde keinerlei Rücksicht genommen. Nur Onkel Ernst schaffte die Flucht in die USA, meine übrige Familie und ich selbst gelten als verschollen in Auschwitz.

Karl Weil *26.12.1872 +04.09.1942 in Theresienstadt umgebracht

Ich war ein anerkannter Schneidermeister in Elsdorf und lebte mit meiner Familie auf der Neustraße 5, heute Maarstr. 5. Am 1.04.1933 blockierten die Nazis auch mein Geschäft, obwohl selbst „Parteigenossen“ bei mir schneidern ließen. Nach und nach trauten sich die Elsdorfer nur noch im Schutz der Dunkelheit in meine Werkstatt. Meistens kamen sie von hinten durch das Gartentor und den dunklen Garten. Am 15.06.1942 wurde ich mit 17 weiteren jüdischen Menschen aus Elsdorf abtransportiert und wurde am 04.09.1942 in Theresienstadt umgebracht.

Emma Weil geb. Joseph *07.04.1875 in Nettesheim +13.01.1943 in Theresienstadt umgebracht

Ich wurde am 07.04.1875 in Nettesheim / Rommerskirchen geboren. In unserem Haushalt arbeitete ein nichtjüdisches Hausmädchen aus  Elsdorf (Katharina Klütsch), dem ich zuerst unsere speziellen Regeln und Riten, z.B. unsere Speisegesetze (u.a. Trennung von Milch- und Fleischgerichten) beibringen musste. Auch von unserer Synagoge habe ich ihr erzählt. Einmal haben wir Frauen auf der Frauenempore so
laut geredet, dass man vom Gebet der Männer kein Wort verstand. Mit meinem Mann zusammen wurde ich am Pfingstmontag 1942 - die Elsdorfer gingen gerade zur Frühmesse - abtransportiert und von Köln aus nach Theresienstadt deportiert. Ich starb am 13.01.1943. Meinen Mann habe ich um vier Monate überlebt.

Gustav Hirsch *1863 – konnte fliehen

Als Hitler die Macht übernahm, war ich 70 Jahre alt, meine Frau bereits verstorben. Meine Kinder Erna und Max lebten ebenfalls in Elsdorf: Max mit seiner Frau Jeanette, Erna mit ihren zwei Kindern Gustav und Ruth. Das Klima  veränderte sich schon vor der Machtergreifung. So bat meine Tochter Erna mich im Dezember 1932, einen Brief an den hiesigen Schulrektor zu schreiben, es sollte eine Beschwerde über einen Lehrer sein. Dabei ging es um meinen 12- jährigen Enkel Gustav, einziger jüdischer Schüler seiner Klasse. Ich schrieb: „Wenn derselbe (Lehrer) bei einem Aufsatz über die Eule die Bemerkung macht, dass die Nase der Eule am besten mit der Nase der Juden zu vergleichen ist
und beim Thema Maul- und Klauenseuche die Behauptung aufstellt, dass die Juden zum wesentlichen die Verbreiter dieser Seuchen seien, da die meisten Viehhändler Juden wären... Eine Lehrperson muss... Erklärungen geben, die keine Gehässigkeiten gegen andere staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften in sich tragen…“ (Schulchronik 1932). Nach der Reichspogromnacht, so hörten wir, wurden alle Elsdorfer Geschäfte geschlossen. Mein Sohn Max, meine  Schwiegertochter Jeanette und ich waren im Frühjahr 1938 in die USA (New York) geflüchtet. Meine Tochter Erna und meinen Enkelsohn Gustav habe ich nie mehr wiedergesehen, Gustav lebte nach dem Krieg in Südafrika, Ruth kam mit ihrem englischen Mann in die USA. Sie hatte großes Heimweh nach den Überlebenden ihrer Familie gehabt. 

Max Hirsch *1891, Jeanette Hirsch *1894, Benno Jansen *1890, Ida Jansen, geb. Hirsch *1893 – konnten fliehen

Wir, Max und Jeanette Hirsch, lebten zusammen mit Benno Jansen und seiner Frau Ida Jansen, geb. Hirsch, in Elsdorf auf der Hauptstraße 39 nicht weit von meiner Schwester Erna und ihren Kindern entfernt. Mein Vater Gustav war 1932  schon 45 Jahre in Elsdorf ansässig, er war ein geehrter und geachteter Bürger. Wir waren eine angesehene Familie. Aber: Mehr und mehr veränderte sich das politische und menschliche Klima; auch bei uns standen die Nazis am 1. April 1933 vor dem Geschäft und notierten sich die Namen der Kunden, so dass diese sich bald nicht mehr in den Laden trauten. Als die Vorfälle sich häuften, beschlossen wir, in die USA auszuwandern. Benno und Ida verließen Deutschland schon am 14.03.1937. Wir folgten ihnen 1938 und nahmen unseren alten Vater Gustav mit, er war damals 75 Jahre alt. Ohne uns wäre er den Nazis hilflos ausgeliefert gewesen. Von unserer Familie haben wir nur noch unsere Nichte Ruth mit ihrem Mann nach dem Krieg in den USA getroffen. Meine Schwester Erna wurde in Kulmhof bei Lodz ermordet, mein Neffe Gustav überlebte Auschwitz und wanderte mit seiner Frau nach Südafrika aus.

Bert Schütt *1922 – befreit, + 12.8.1965

1935 begann Bert Schütt eine Ausbildung in einer Bäckerei in Köln. Im September 1941 musste er einen Judenstern tragen, den er unter seiner weißen Bäckerjacke verbergen konnte. Es blieb jedoch nicht verborgen, dass er Halbjude war.
Er wurde 1941 in die Konzentrationslager Riga, Theresienstadt und Lauenburg verschleppt. 1945 befreiten ihn die Russen.

Benjamin Hirsch *1879, + 09.06.1943 in Theresienstadt ermordet

Zuerst möchte ich meine Familie vorstellen, wir waren 1932 noch sechs Geschwister, alle unverheiratet. 

  • Selma (Sophia) Hirsch – 1870-1943 
  • Bertha Hirsch – 1871-1932
  • Isidor Hirsch – 1869-1941
  • Amalie Hirsch – 1876-1941
  • Dora Hirsch – 1877-1934
  • Benjamin Hirsch – 1879-1943

(Quelle: Frau Sofie Hoffmann geb. Keuth)

Ich kam 1879 behindert auf die Welt, mein Rückgrat war verkrümmt, ein Bein verkürzt, so dass ich auf eine Krücke angewiesen war. Während meine Schwestern im Tuch- und Kurzwarengeschäft im Vorderhaus arbeiteten und den Haushalt führten, waren mein älterer Bruder Isidor und ich für den Land- und Viehhandel zuständig. Meinen Feierabend verbrachte ich hin und wieder in der Wirtschaft Keuth mit Freunden beim Kartenspiel. Unsere Schwester Bertha verstarb bereits 1932, sie liegt auf dem Jüdischen Friedhof in Elsdorf. Als 1934 auch Dora starb, kam es bei der Beerdigung zu Zwischenfällen. Ein damals 8-jähriges Mädchen (Sofie Keuth, verh. Hoffmann) aus unserer Nachbarschaft durfte seine Mutter zur Beerdigung begleiten und erlebte, dass Nazis auf den Friedhofsmauern saßen und gehässige, antijüdische Parolen brüllten. Wir waren entsetzt. Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 war furchtbar. Isidor versuchte noch, sich und uns zu verteidigen, er wehrte sich, was aber keinen der Nazis hinderte, ihr Werk fortzusetzen. Ich wurde die Treppe hinuntergeworfen und dabei verletzt. Eine meiner Schwestern schrie: „Mein Gott, womit haben wir das verdient? Mein Bruder verblutet ja!“ Die grobe Antwort: „Dann loss en frecke.“ (sterben, kaputtgehen). Ende des Jahres 1938 wurde unser Betrieb einfach geschlossen, wir zogen 1939 nach Köln, meine letzte Anschrift lautet Köln-Müngersdorf, Fort V (Barackenanlage: 1941- 1945 Sammellager). Am 05.09.1942 wurde ich nach Theresienstadt deportiert und dort am 09.06.1943 ermordet.

Isidor Hirsch *1869, + 1941 in Sayn/Bendorf

Ich war der älteste Sohn meiner Eltern und es war klar, dass ich einmal den Betrieb übernehmen würde – zusammen mit meinem einzigen Bruder Benjamin, der aufgrund seiner Behinderung Unterstützung brauchte. Benjamin war eine ausgesprochene Frohnatur. Er hat bereits den Verlauf der Pogromnacht in unserem Haus geschildert. Danach versuchten wir verzweifelt noch unsere Tiere zu verkaufen, schließlich waren wir auch Viehhändler. Wir hatten gehofft, die Tiere einem mit uns gut befreundeten Landwirt zu verbilligtem Preis zu überlassen. Dieser lehnte diesen Handel (Notverkauf) ab, er wollte unsere Not nicht ausnützen, den vollen, reellen Preis konnte er aber nicht bezahlen. Ich starb 1941 im Alter von 72 Jahren in der Jacoby‘schen Heil-und Pflegeanstalt zu Sayn/ Bendorf im Westerwald.

Selma (Sophia) Hirsch *1870, + 14.03.1943 in Theresienstadt ermordet

Nach dem Tod unserer Schwester Dora übernahm ich die Leitung von Geschäft und Haushalt, unsere Schwester Amalie war krank und dazu nicht in der Lage. Das Klima in unserem Dorf änderte sich mehr und mehr. So gingen wir nur noch sehr vorsichtig auf die gegenüberliegende Straßenseite zum Landwirt Adam Keuth, um bei ihm und seiner Frau Katharina Eier und Milch zu kaufen. Seine Frau schickte oft mutig ihre kleine Tochter Sofie mit den Sachen zu uns, so dass wir bald fürchteten, man würde diese Familie anzeigen und drangsalieren. Anfang 1939, am 18. Februar, kam meine Schwester Amalie in eine Klinik, ich begleitete sie nach Sayn (Bendorf) und zog selbst nach Köln. Am 15.06.1942 wurde ich nach Theresienstadt deportiert und dort am 14.03.1943 ermordet, drei Monate bevor auch Benjamin dort seinen Tod fand. 

Amalie Hirsch *1875, + 13.02.1941 in Sayn/Bendorf

Am 18.02.1939 – Selma hat es schon erwähnt – wurde ich in die Jacoby‘sche Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke in Sayn (Bendorf) bei Koblenz eingewiesen. Zuvor war ich von dem Koblenzer Arzt Dr. Harnack untersucht worden. Diagnose: „Zurzeit geisteskrank, eine Unterbringung in einer Irrenanstalt ist erforderlich.“ 1940 wurde bestimmt, dass geisteskranke Juden aus dem Reich nur noch in die Heil- und Pflegeanstalt Sayn aufgenommen werden  durften. Ich starb dort am 13. Februar 1941, meine „Abmeldung“ wurde unterschrieben von einem Dr. Israel Laufer, der Stempel unter seinem Namen besagte: „Zur ärztlichen Behandlung ausschließlich von Juden berechtigt.“ Zusatz: Ab 1942 wurden die Bewohner des Hauses und das jüdische Pflegepersonal systematisch deportiert, ihre Spuren verlieren sich in den Vernichtungslagern des Ostens. Sie wurden alle ermordet, das Haus am 10. November 1942 geschlossen.

Carla Simon *13.09.1929 in Elsdorf-Berrendorf +26.3.1949 für tot erklärt

Ich war fast vier Jahre alt als Hitler 1933 an die Macht kam. Am 30.03. 1939 – ich war knapp 10 Jahre alt - erhielt ich meinen Pass mit dem 
Beinamen Sara. Anfang 1942 wurden in unserem Haus alle noch überlebenden Elsdorfer Juden zusammengepfercht und von einem Polizisten überwacht. Am Pfingstmontag 1942 wurden wir alle mit Pferdekarren nach Elsdorf gebracht und von dort nach Köln (Gruppenabmeldung).
Im Juli 1942 wurden meine Mutter, meine Schwester Ilse und ich nach Theresienstadt deportiert. Dort verliert sich unsere Spur. Am 26.3.1949 wurde ich für tot erklärt.

Ilse Simon *28.5.1922 in Elsdorf-Berrendorf +26.3.1949 für tot erklärt

Ich bin die große Schwester von Carla und war 11 Jahre alt, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Mit meiner Mutter und meiner  Schwester Carla wurde ich am Pfingstmontag 1942 zuerst nach Elsdorf und dann nach Köln gebracht. Im Juli 1942, ich war 20 Jahre alt, wurde ich nach Theresienstadt deportiert. Wie meine Schwester- so wurde auch ich am 26.03.1949 für tot erklärt.

Selma Simon geb. Salomon *20.12.1892 in Opladen +26.3.1949 für tot erklärt

Mit meiner Familie lebte ich in Berrendorf auf der Hauptstraße 101, heute Kerpener Straße / Ecke Feldstraße. Als wir (Ilse, Carla und ich) am  15.06.1942 von einem Pferdekarren von dort abgeholt und nach Elsdorf gebracht wurden, durfte jede von uns zwei Gepäckstücke mitnehmen,  für den dann folgenden Abtransport nach Köln nur noch eins. Im Juli 1942 wurden wir nach Theresienstadt deportiert, damit verliert sich unsere
Spur. Wie meine beiden Kinder wurde auch ich 1949 für tot erklärt.